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Christa

Eigentlich konnte ich mir nie vorstellen können, einmal auf dem Land zu leben. Ich bin in der Stadt geboren und aufgewachsen. Da ist immer was los und das Freizeitangebot groß! Neben meiner Heimatstadt Linz habe ich ein Jahr in Wien gelebt und gearbeitet.
Später bin ich nach Amsterdam gezogen und habe meinen Sohn Raymond bekommen. Von Sehnsucht nach den heimatlichen Bergen und Täler geplagt, habe ich mich von Raymond's Vater getrennt und bin nach Österrreich zurückgekehrt.
Meine sportlichen Aktivitäten bestanden aus "in der Sonne braten", Tanzsportclub und Skifahren im Winter. Um uns als Schüler teure Eintrittskarten für Bälle zu ersparen, haben wir mit dem Tanzclub zahlreiche Bälle eröffnet und so manche Schularbeit am nächsten Tag im Halbschlaf erledigt. Die Schritte der "Fächerpolonaise" kann ich noch heute im Schlaf.

Als Haustier hatte ich als Kind einen Wellensittich und später Max, einen Goldspaniel. Aber ein Pferd und reiten - Das kam mir nie in den Sinn! Undenkbar war die Vorstellung, auf dem Lande zu leben.
Wenn schon ein Eigenheim, dann nur eine Jugendstilwohnung mitten im Stadtzentrum!
So dachte ich - bis mir Hans über den Weg lief. Der schwärmte von der Reiterei und träumte von einem eigenen Pferd.
Zum Überfluss hatte er auch noch ein Motorrad! Einmal und nie wieder bin ich mitgefahren.
Im Scherz sprach ich zu ihm, er könne seine 50 PS gegen ein PS tauschen, denn auf dem Pferderücken hat nur einer Platz. Das hat er innerhalb einer Woche erledigt!

Da ich einfach Alles ausprobieren muss, habe ich nach einer gewissen Anlaufzeit auch das Reiten auf Apache gelernt. Aus war's mit der Jugendstilwohnung, ein kleiner Bauernhof für die Pferde muss her!
Nach jahrelanger Suche haben wir im Hausruckvietel das halbverfallene Pauligut in Michaelnbach entdeckt und die Arbeit begann.

Jetzt habe ich leider keine Jugendstilwohnung, aber mein G'wöli und der Rosengarten mit historischen Bauernrosen entschädigen mich dafür. Alles wäre dann wunderbar gewesen, wäre nur meine Operation nicht gewesen, seit der ich am rechten Arm behindert bin. Als Dank für meine bleibende Behinderung wurde ich vom Dienstgeber, dem Land OÖ. trotz laufendem Pensionsantrag gekündigt und der Existenz beraubt.

Als ich endlich das Gerichtsverfahren im Juli 2009 wegen Schmerzengeld gewonnen hatte, hat mich mein Mann Hans nach 15-jähriger Lebensgemeinschaft bzw.Ehe mit den Worten 'ich fahre zu Andreas auf ein Bier' (dies gibt eswirklich, nicht nur in slapsticks) ohne weiteren Kommentar wegen einer ehemaligen Schulfreundin meines Sohnes im August 2009 verlassen und sich seither weder um mich noch unsere Pferde gekümmert.

Nun versuche ich, mit dem CRPS bzw. meiner Behinderung zu leben und wieder Freude am Leben sowie eine passende Wohnung zu finden und hoffe, durch meine Erfahrung künftig Menschen helfen zu können, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben und werde bis an mein Lebensende dafür kämpfen, dass sich meine Erfahrungen niemals wiederholen und kann nur Jedem raten - gib nicht auf - wir haben nur ein Leben und jede Minute ist kostbar!

Nur wenn ich mir vorstelle, dass ich meine Enkelkinder nie im Arm halten kann, kommen mir noch immer die Tränen. Könnte ich beim Teufel meine Seele für mein früheres Leben eintauschen - ich würde es jederzeit tun!

"Nicht behindert zu sein, ist wahrlich kein Verdienst, sondern ein Geschenk, das jedem von uns jederzeit genommen werden kann" - Richard v. Weizsäcker